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Ungarn: Wirtschaftspolitik

21.06.2019 - Artikel

Wirtschaftslage

Das ungarische Wirtschaftswachstum betrug 2018 4,8%, für 2019 liegt die Prognose bei 3,4%. Im Jahr 2017 lag das Haushaltsdefizit bei 2,2%, für das Jahr 2018 liegt die Prognose bei 2,4%. Der Schuldenstand der öffentlichen Hand (gemessen am Bruttoinlandsprodukt) sinkt seit 2011 und betrug im Jahr 2017 73,6%. 2010 eingeführte Sondersteuern werden für Sektoren Telekommunikation, Finanzwirtschaft und Energie fortgeführt. Die Entwicklung des ungarischen Exports verläuft nach einem Einbruch durch die Wirtschaftskrise nach 2008 wieder positiv. Der Wert der Ausfuhren erreichte im Jahr 2018 einen Gesamtwert von rund 105,059 Mrd. Euro. Mehr als drei Viertel der ungarischen Exporte gehen in die EU, allein über ein Viertel nach Deutschland. Damit ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner Ungarns. Ungarn erzielte 2018 einen Handelsüberschuss von rund 5,55 Mrd. Euro. Der Handelsüberschuss mit Deutschland betrug 2018 rund 2,8 Mrd. Euro.

Das Inflationsziel der ungarischen Nationalbank (MNB) liegt bei 3%. Im März 2019 stieg die Inflation im Jahresvergleich auf 3,7% an. Seit August 2012 hat die ungarische Nationalbank MNB den Leitzins in mehreren Schritten von 7% auf nunmehr 0,9% gesenkt. Im April 2019 liegt der Wechselkurs bei rund 321 HUF je Euro.

Deutsche Investitionen

Deutschland ist mit einem Anteil von rund 28% mit Abstand größter ausländischer Direktinvestor in Ungarn. Circa 3500 deutsche Unternehmen beschäftigen über 250.000 Beschäftigte in Ungarn. Eine der größten Einzelinvestitionen in Ungarn ist das Audi-Werk im westungarischen Raab/Győr. Weitere Großinvestitionen sind das 2012 eröffnete Mercedes-Werk in Kecskemét und das Bosch-Werk in Hatvan. Neben den Großinvestoren (darunter Allianz, Bosch, Deutsche Telekom, RWE, ThyssenKrupp, SAP, ZF) sind zahlreiche mittelständische Unternehmen in Ungarn aktiv. Deutsche Unternehmen genießen in Ungarn durch Vermittlung von Managementwissen und Fachausbildung hohes Ansehen. Die Reihe deutscher Investitionen in Ungarn setzt sich fort mit dem Neubau eines zweiten Mercedes-Werks in Kecskemét und einem BMW-Werk in Debrecen (je rund 1 Mrd. Euro), sowie weiteren aktuellen Investitionen unter anderem von ThyssenKrupp, Bosch, Lufthansa, Aldi und Hirschmann. Mit einer Arbeitslosenquote von aktuell 3,7% und der relativ hohen Migration überwiegend junger qualifizierter Personen ins Ausland ist es jedoch schwieriger geworden, neue Stellen mit geeigneten Fachkräften zu besetzen, weshalb die Arbeitsmigration aus der Ukraine zunimmt.

Energiepolitik

Erneuerbare Energien haben einen Anteil von 13% am Endenergieverbrauch (vor allem Biomasse, Geothermie, Photovoltaik). Dies entspricht auch dem ungarischen EU-Ziel für 2020.  Begünstigt durch den Preisverfall erneuerbarer Energien, setzt Ungarn seit 2018 stärker auf ihren Ausbau. Die großen Energieversorger wie MOL und MVM investieren zunehmend in Solarparks. Die Regierung plant Verfahren zu vereinfachen.

Die Kohleverstromung spielt mit 13% eine untergeordnete Rolle in Ungarn. Der Kohleausstieg wird anvisiert, ein Umsetzungsplan wurde noch nicht beschlossen.

Ungarn hat mit 32,1% (2017) einen relativ hohen Anteil von Erdgas am Primärenergieverbrauch, der weitestgehend importiert wird. Für den Import ist Ungarn stark auf den Gastransit durch die Ukraine angewiesen. Die Sicherung der Gasversorgung sowie die Diversifizierung von Quellen und Routen stellt daher eine Priorität der ungarischen Energieaußenpolitik dar. Ungarn ist interessiert an einer Anbindung an den südlichen Gaskorridor, an Turkish Stream und unterstützt die Pläne zum Bau des Flüssiggas-Terminals in Krk, Kroatien. Insgesamt soll auch im Gasbereich die Nord-Süd-Konnektivität ausgebaut werden.

Der staatliche Stromkonzern MVM betreibt nahe der zentralungarischen Stadt Paks ein Atomkraftwerk mit einer Leistung von 1.860 MW, das circa 40% des ungarischen Strombedarfs deckt. Ungarn plant am selben Standort den Neubau von zwei Kernreaktoren mit einer Leistung von je 1.200 MW. Die Finanzierung erfolgt größtenteils über einen russischen Kredit, die Technologie liefert der russische Konzern Rosatom. Die Inbetriebnahme wird für 2026-2027 vorgesehen.

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